Das Lastenrad – unser neues Auto

babboe lastenrad

Ach, so ein Lastenrad …

„Und am Ortsschild machen wir eine Essenspause“, informiert mich Kind 2. Das besagte Ortsschild steht am Ortsausgang von Uelzen in Richtung Hansen. Zu dem Zeitpunkt haben wir satte 1,5 Kilometer in 15-20 Minuten zurückgelegt und ich mindestens dreimal Schnappatmung im nachmittägliche Verkehr bekommen, mit einem sechsjährigen Kind auf dem eigenen Fahrrad. Ich ertappe ich bei dem Gedanken, dass ich in exakt 20 Minuten kurz vorher die sechs Kilometer bis zur Schule geradelt bin, um es abzuholen. Nächster Stopp, der „Bienenbaum“. Dann weiter die Brücke hochquälen. „Vielleicht sollte ich doch einfach schieben, anstatt weiter meine Balancekünste auf dem Rad auszubauen?“, denke ich im Stillen. Ein paar Stopps später, kommen wir zu Hause an.

Oft so und manchmal auch etwas schneller, sieht es aus, wenn ich Kind 2 mit dem Rad aus der Nachmittagsbetreuung abhole. Kind 2 macht es natürlich tapfer und super mit, nur sind unsere Bedürfnisse um 15:00 Uhr nicht immer deckungsgleich. Der Bus ist leider keine Alternative auf dem Land, sondern eher eine Baustelle mit viel Optimierungspotenzial. Ein zweites Auto nur, um ab und zu einzukaufen und ein Kind abzuholen? No way.

Ich habe einen Traum

Während einer Fahrt, auf der wir die sagenhafte Zeit von 1,25h für 6 Kilometer gebraucht haben, fantasierte ich von meinem glücklichen Kind in der Kiste eines E-Lastenrads und ich mit einem seligen Lächeln dahinter. Der Traum wurde von nun an täglich aufs Neue von mir geträumt (je schlechter das Wetter, desto intensiver der Traum) und führte zu einer ernsthaften Recherche. Natürlich ging es nicht nur um den Kindertransport, sondern auch um Klimaschutz, weniger Autofahren, mal einen umfassenden Einkauf mit dem Rad erledigen oder sogar einen Sack Hühnerfutter kaufen. Ich könnte mehr Trainingsutensilien mit zum Kurstraining von URPOTENZIAL bringen, usw. Der ÖPNV auf dem Dorf ist da nicht wirklich eine Alternative.

Das Rechercheergebnis war auch schnell eindeutig. Es braucht für uns nicht besonders chic sein, sondern vor allem zweckmäßig. Ich möchte durchaus noch selber treten und das Budget für einen Kleinwagen haben wir auch nicht.

Der Traum blieb vorerst ein Traum. Meine Frau ertrug geduldig mein Leid und es kam auf die generelle Liste für „irgendwann 2022“. Die Anschaffungskosten trugen ihren Teil dazu bei. Förderungen bekamen zu dem Zeitpunkt in Niedersachsen nur Gewerbetreibende, die Option Jobrad war keine für uns.

Die Landesregierung hat eine Idee

Dann startete der Bundestagswahlkampf und die Grünen bekommen mächtig Schelte für ihren Vorstoß, auch Privatpersonen mit 1.000,-€ bei der Anschaffung eines Lastenrads zu unterstützen. Der Geifer steht einigen Autofahrern im Mund und die FDP sieht das Ende des Abendlandes auf sich zu kommen. Die BILD, ach lassen wir das. Ich dachte für mich: „Interessant, jetzt warten wir mal ein wenig ab.“

Und kaum glätteten sich die Wogen des Wahlkampfs, hatte die niedersächsische Landesregierung aus SPD und CDU eine „revolutionäre“ Idee: „Lasst uns mal auch die Anschaffung eines E-Lastenrads für Privatpersonen mit 800,- € über die niedersächsische Förderbank unterstützen“, was wohl der politische Kompromiss beim Vorschlag der Grünen gewesen wäre. Insgesamt seien 750.000 € an Fördergeldern bereitgestellt, …

Nun wurde es deutlich interessanter. Es brauchte aber noch ein Wochenende in Kopenhagen, damit wir in Aktion getreten sind.

Die Entscheidung

Kopenhagen und nicht Amsterdam gilt als die Fahrradhauptstadt Europas. Fahrräder und Lastenräder überall. Dazu Straßenraumaufteilungen, die dem Fahrradverkehr mehr Platz einräumen, als dem Autoverkehr und Fußgängern. Großartig. Der Blick in eine Seitengasse hat mich nachhaltig beeindruckt. Ein Reisebus brachte eine Schar kleiner, total erledigter Kinder von einem Tagesausflug zurück. Kein SUV oder sonstiges Auto weit und breit. Stattdessen wurden die Kinder mit Fahrrädern oder zu Fuß abgeholt.

Die endgültige Entscheidung bei meiner Frau ist dann am Samstag in Kopenhagen gefallen. Glücklich aussehende Däninnen, eingekuschelt in ihre Bettdecke, werden von ihren Männern im Lastenrad spazieren gefahren. Die Augen meiner Liebsten bekamen einen verdächtigen Glanz. Es konnte losgehen.

Der Förderantrag

Kaum zurück aus dem Kurzurlaub, habe ich mich dann an den Förderantrag bei der NBank Niedersachsen gesetzt. Um es kurz zu machen, schlimmer geht immer, aber kundenorientiert ist anders. Es handelt sich um eine fixe Fördersumme für Lastenräder. Ohne E-Antrieb gibt es 400 €, mit E-Motor 800 € als Erstattungsförderung. Es müssen einige Kriterien erfüllt sein, so muss die Zuladung z.B. mindestens 40 kg betragen.

Es scheint ein wenig so, als wäre nicht mit einem solchen Ansturm auf die Förderung gerechnet worden. Wir haben unseren Antrag am 20.10.2021 abgeschickt, am 6.12.2021 wurde das Programm zwischenzeitig geschlossen, da der Fördertopf komplett beantragt war. Und dann fing das Warten an. Das „Problem“ – Maßnahmenbeginn erst nach Förderzusage und dann sollen die „Mittel“ innerhalb von neun Monaten abgerufen werden, was bei den aktuellen Lieferzeiten für Lastenräder – gefühlt irgendwo zwischen Neuwagen und Trabi – eine Herausforderung ist.

Unsere Entscheidung war auf das Babboe Big-E gefallen. Mit Argusaugen beobachtete ich die Entwicklung der Lieferzeiten auf der Website – 16-17 Wochen, puh. 

Endlich kommt die Förderzusage – und jetzt?

Am 15.1.2022 hatten wir nach fast drei Monaten die Förderzusage im Portal und zwei Tage später auch in der Post. Dankenswerterweise mit Maßnahmenbeginn ab 20.12.2021. Fast drei Wochen Verlust, weil durch Weihnachten, die Bearbeitung intern auf der Strecke geblieben ist. 

Am Ende hatten wir mehr Glück, als Verstand, denn ein Fahrradladen in Uelzen hatte „unser“ Lastenrad im Schaufenster stehen. Einziger Unterschied, es war die Hundeausführung (Babboe Dog-E), mit nur einer Kinderbank und Klappe vorne, was sich im Nachhinein als ungemein praktisch herausgestellt hat. Das Schöne daran, wir konnten auch noch den lokalen Handel unterstützen. Laut Aussage der Verkäufer ist die Lage im gesamten E-Bike-Segment sehr angespannt und die Lieferzeiten eskalieren. Es lohnt sich also, ggf. den Kompromiss zu wagen und schnell in der Entscheidung zu sein, wenn ein Rad beim Händler steht. Auch die Preise entwickeln sich nach oben. Zwei Wochen nach unserem Kauf ist der Preis bei Babboe um 150 € gestiegen.

Das Glück dieser Erde ist auf dem Sattel eines Lastenrads

Jetzt fahre ich mit Kind in der Kiste und einem Lächeln im Gesicht in 25 Minuten von der Schule wieder nach Hause, kann auch mal einen größeren Einkauf ohne Auto erledigen und sause mit einem fetten Grinsen im Gesicht an den eskalierenden Preistafeln der Tankstellen vorbei. Ich versuche, so wenig wie möglich unterstützt durch den Hinterrad-Nabenmotor zu fahren. Trotz seiner 72 kg Leergewicht, fährt sich das Rad erstaunlich leicht und mühelos. Für mich ist das Lastenrad tatsächlich eine ernsthafte Alternative zum Zweitwagen für alle, die nicht zu weit von einer Einkaufsmöglichkeit entfernt wohnen und den Platz zum Abstellen haben. Wenn es schnell gehen soll und ohne größeren Einkauf oder Transport, habe ich natürlich immer noch mein „normales“ Fahrrad. Und ab und zu geht’s nur mit dem Auto.

Die erste Fahrt von der Schule, eingepackt in eine Decke und bewundert von seinen Freunden, war für Kind 2 übrigens die „schönste Fahrt seines Lebens“.

Die Fahrt mit meiner Frau, eingekuschelt in ihre Bettdecke, steht noch aus. Kommt noch. Versprochen. Mit Lichterkette.


Veranstaltungen und Infos zum Thema „Lastenfahrrad/Cargobike“

Voraussichtlich am 18.2.2022 um 18:30 Uhr veranstaltet die Hansestadt Uelzen eine Online-Infoveranstaltung zum Thema „Mit dem Lastenrad durch Uelzen: Infos und Erfahrungsaustausch“. Unter anderem werde auch ich dort von meinen Erfahrungen zu Rad und Förderung berichten.

Im Juni besteht dann bei einem Tag zum Thema E-Mobilität ggf. auch die Chance einmal ein Lastenrad zu testen.

Weitere Informationen gibt es auf der Klimaschutz-Seite der Hansestadt Uelzen.

Für Firmen gibt es die Möglichkeit, verschiedene E-Bikes und Lastenräder für den gewerblichen Einsatz zu testen. Das Angebot war in 2021 wohl stark gefragt.

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